Jumelage vom 20. bis 22. Oktober 2023 zwischen den Distrikten 103-Île de France-Ouest und 111-Westfalen-Ruhr im Val d`Oise

Nach intensiver Vorbereitungszeit startete am 20. Oktober 2023 eine fröhliche Reisegruppe von Lions mit Partnerinnen und Partnern sowie zahlreichen Leos unter Führung unseres Distrikt-Governors Ralf Brickau zum Besuch unseres Partnerdistriktes Île de France-Ouest zur 32. Jumelage. Der reichlich vorhandene feste und flüssige Proviant gestaltete die lange Busfahrt recht kurzweilig.

Das Departement Val d’Oise erstreckt sich im Nordwesten und Norden des Großraums von Paris. Westlich von Pontoise liegt eine ländliche Region, dagegen ist das Gebiet zwischen dem namensgebenden Flusstal der Oise und dem am Ostrand des Departments liegenden internationalen Flughafen Roissy-Charles-de-Gaulle Teil der dichtbesiedelten Agglomeration Paris.

Ohne Verkehrsbehinderungen wurde das Hotel Chateau de la Tour in Chantilly-Gouvieux zeitig am Nachmittag erreicht. Ursprünglich war das zu Beginn des 20. Jahrhundert im anglo-normannischen Stil erbaute Haus der Landsitz einer Bankiersfamilie aus Paris. Heute ist es ein sehr schönes Hotel inmitten einer großen Parkanlage mit altem Baumbestand. Nach der herzlichen Begrüßung durch die französischen Freunde und dem Bezug der Zimmer konnte dann ein Begrüßungs-Champagner auf der Terrasse des Hauses mit Blick auf den englischen Landschaftsparkt genossen werden. Sehnsüchtige Blicke gingen zum benachbarten Swimmingpool, der Ende Oktober leider schon geschlossen war.

Beim anschließenden Come together fanden sich zahlreiche bekannte Gesichter ein und es konnten Kontakte zu französischen Lionsfreunden geknüpft werden, die erstmals an der Jumelage teilnehmen wollten. Zur Auflockerung startete der Abend mit Welcome Drinks. Ein umfangreiches Büfett mit verschiedensten Fingerfood-Häppchen sorgte für eine Grundlage, um den langen Abend mit interessanten Gesprächen am Tresen oder den Tischen ausklingen zu lassen. Auch wer keine oder nur geringe französische Sprachkenntnisse besaß, war in der Lage sich in der herrschenden freundschaftlichen Atmosphäre zu verständigen.

Am 21. Oktober versammelten sich die Jumelageteilnehmer nach einer teilweise kurzen Nacht und einem zeitigen Frühstück in der Lobby des Hotels, um Hinweise über den Tagesablauf in Empfang zu nehmen. Es startete eine ca. 180 Kilometer lange "Rallye du Vexin", wobei sich die Gruppe teilweise in echte Oldtimer oder moderne Sportwagen so aufteilte, dass immer eine Verständigung aller Beteiligten möglich war. Das Vexin ist eine Landschaft im Nordwesten Frankreichs. Sie besteht aus dem Vexin normand westlich des Flusses Epte und dem Vexin français östlich davon. Vexin ist mehr ein geografischer als politischer oder historischer Begriff. Der Vexin erstreckt sich in West-Ost-Richtung zwischen Rouen und Pontoise, in Nord-Süd-Richtung zwischen Beauvais und der Seine.

Als Beifahrer hatte man dann die Aufgabe sich intensiv mit dem road book auseinanderzusetzten und dem Fahrer den richtigen Weg zu weisen. An verschiedenen Stellen der Route mussten Fragen zu Sehenswürdigkeiten beantwortet werden. Hier kann schon vorweggenommen werden, dass Lion Evelyn Luhrenberg aus Witten zum Gewinnerteam gehörte, das auf dem Galaabend natürlich mit einer Flasche Champagner belohnt wurde.

Mittels QR-code konnten Infos über die Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke abgefragt werden. Die Kirche St-Crépin-St-Crépinien in Bréançon ist seit 1980 ein geschütztes Baudenkmal.

Die Patrone der im 12. Jahrhundert begonnenen Kirche sind die christlichen Märtyrer Crispinus und Crispinianus. Die Kirche ist eine dreischiffige Pseudobasilika mit einem Querhaus und einen einschiffigen rechteckig schließenden Chor aus dem 13. Jahrhundert. Über der Vierung erhebt sich ein zweigeschossiger Turm mit gekuppelten Rundbogenfenstern und eingestellten Säulen an den Ecken. Die Glocke wurde 1587 gegossen.

Ein romanisches Kapitell der Kirche aus dem 12. Jahrhundert wird im Bürgermeisteramt ausgestellt. Das Weihwasserbecken aus dem 12. Jahrhundert befindet sich an einer Säule gegenüber dem Eingang. Eine polychrome Skulptur des heiligen Crispinus stammt aus dem 14. Jahrhundert. Das Taufbecken aus dem 16. Jahrhundert wird von Dreipassarkaden und floralen Motiven geschmückt. Das hölzerne Altarretabel aus dem 17. Jahrhundert mit Säulen und Szenen aus dem Neuen Testament ist aufwendig vergoldet.

 

Zur Mittagspause trafen sich alle Fahrzeuge auf dem Gelände der Domaine de Villarceaux wieder.

Diese ist ein Ensemble von drei Schlössern und einer Golfanlage Zur Domaine gehören 800 Hektar Park-, Wald- und Wiesengelände. Die Anlage liegt bei der Gemeinde Chaussy rund 65 Straßenkilometer nordwestlich von Paris. Die Burg aus dem 15. Jahrhundert war ursprünglich eine geschlossene quadratische Anlage mit Türmen. Erhalten sind der Turm Saint-Nicolas und einige Gebäudeteile. Im Inneren des Turms befindet sich eine Quelle. Sie ermöglichte den Bewohnern, Belagerungen lange zu widerstehen. Auf der Terrasse ist ein medizinischer Garten im mittelalterlichen Stil angelegt.

Im 16. Jahrhundert entstand etwas unterhalb der Burg der dreiflügelige Renaissancebau. Er diente sowohl der Landwirtschaft als auch der Repräsentation und dem Vergnügen. Dem Geschmack der Epoche entsprechend, wurden die Teichanlagen und Gärten im heiteren italienischen Stil gestaltet. Der in die Teichanlage eingefügte, sich kaum über die Wasserfläche erhebende Jardin sur l’eau ist eines der wenigen Beispiele einer noch erhaltenen Anlage dieser Art.

Im 18. Jahrhundert schien dem neuen Besitzer des Anwesens, Jean-Charles Baptiste du Tillet, Marquis de la Bussière, das Schloss nicht mehr angemessen für seine repräsentativen Bedürfnisse. Er wünschte ein Schloss in dominierender, erhöhter Position, das ihm einen Überblick über seine weiten Ländereien bot. So ließ er vom Architekten Jean-Baptiste Courtonnedas Château du Haut auf dem Hügel oberhalb der Teiche errichten. Die Hauptfassade und den Eingang ließ er an der oberen Seite anlegen. Ein eingezäunter, von hohen Bäumen gesäumter Ehrenhof diente als Zufahrt für die adligen Gäste. Der freie Platz unmittelbar vor dem Eingang gestattete ihnen, ihre Kutschen dort wenden zu lassen und direkt vor dem Schloss auszusteigen. Etwas seitlich schließt sich an den Ehrenhof eine Orangerie an.

Nach unten ließ der Besitzer eine breite terrassierte Wiese anlegen. Sie dient als Zugang zu den Teichen und Parks und als Sichtachse. Zwei im Zickzack verlaufende Fahrwege ersparten den Damen und Herrschaften die Mühe, zu Fuß vom Teich zum Schloss hochgehen zu müssen. In Anlehnung an die breiten Reifröcke, die die Damen jener Zeit trugen, wurde und wird die Wiese Vertugadin genannt. Heute trägt die Gesamtanlage die Auszeichnung Jardin remarquable.

Nach einer ausführlichen Stärkung an einem organisierten food truck bot die Gartenanlage dann Gelegenheit die Füße zu vertreten.

Zur Mittagspause stießen auch Ilona Labbe und Augustin Bontemps-Gabaude vom Lycée franco-allemand in Buc sowie Ismael Etifier und Laurent Oury vom Lucée Luci Aubrac aus Courbevoie zu unserer Gruppe. Die Schülerin und die Schüler stellten sich dem diesjährigen Sprachwettbewerb. Vorab sei verraten, dass alle sehr gut bis akzentfrei deutsch gesprochen haben, was einerseits durch langjähriges Studium aber auch durch Aufenthalte in Deutschland gefördert worden war. Die deutschen Lions und Leos suchten den Kontakt zu den Schülern und verwickelten sie in Gespräche und Diskussionen, um später eine Gewinnerin oder einen Gewinner ermitteln zu können.